Dienstag, 12. Juli 2011

Therapie gegen Depressionen, Heilende Reise in die Kindheit

Unter dieser Überschrift bringt Spiegel-Online einen Artikel über eine Art Verhaltenstherapie (Schema-Therapie genannt), die ein Amerikaner in den 1990er Jahren entwickelt hat. Das ganze erscheint mir ein Sammelsurium aus verschiedenen Zweigen der Humanistischen Psychologie, gemischt mit Ansätzen aus der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie.
Das Heilversprechen mit 8 Monaten erinnert stark an die Anfänge der Primärtherapie von A. Janov, wo auch von 8 Monaten die Rede war. Diese Acht als plakatives Werbemoment scheint den Amerikanern intus zu sein. Wobei man allerdings noch berücksichtigen muss, dass Ende der 1960er Jahre ein wirklicher Hype um die Primärtherapie da war (siehe John Lennon und Yoko Ono). Es war wirklich etwas neues und durchdringendes am Therapiehimmel aufgetaucht, was bisher nicht so im Lichte des Mainstream da war. Und die Entwicklungsanstöße sind auch heutzutage dramatisch, wenn man wirklich an seine Gefühle herankommt.
Aber diese Art Psychotherapie….,hier versucht jemand das Rad neu zu erfinden. Man könnte es als schlechten Abklatsch einer Primärtherapie, gemixt eben mit allen möglichen Zutaten aus der Humanistischen Psychologie bezeichnen. Die ganzen in dem Artikel aufgezeigten Abläufe (Schemata) dienen, würde ich sagen, jungen Psychotherapeuten als Stütze, damit sie sich an irgendwas (und wenn auch noch so künstlich) halten können.
Insgesamt gesehen ist in dieses Verfahren ein schematisches Weltbild eingeflochten, welches der Lebensrealität in seinen Verflechtungen in keiner Weise gerecht wird. Wer sich in so ein Schema pressen will, OK.. Es klingt alles etwas mechanistisch, eben Verhaltenstherapie. Schritte wie Umleitung der Gedanken sind vorgesehen. Wer aber ein verschüttetes Gefühl wachruft, braucht seine Gedanken nicht umzuleiten, sie werden von selber gerade gerichtet durch so ein Erlebnis.
Dann wird in dem Artikel hervorgehoben, dass der Therapeut nicht auf seinen formalen Behandlungsrichtlinien seiner Therapieschule hängenbleibt. Welche Errungenschaft, bzw. was für kalter Kaffee. Und typisch für solche Psychotherapeuten, dass sie nicht die Verdienste von A. Janov hervorheben, so tun, als ob es nicht Janov war, der diese ganze Entwicklung, was das Fühlen und Kindheit betrifft, entscheidend beeinflusst hat.

Kommentare:

  1. Warum regst du dich darueber so auf und haelst an Janov fest?

    Jeder weiss doch, dass in jedem Bereich eine Entwicklungsdynamik statt findet und schon immer statt gefunden hat. Therapien machen d keine Ausnahme. Wer etwas braucht, was sich langsamer entwickelt, der sollte sich an die Natur halten-die Tiere und Pflanzen pasen sich nicht so dramatisch schnell den neuen Begebenheiten an, wie es offenbar der Geist einiger schlauer Therapeuten tut. Not macht erfinderisch! Die Bevoelkerung waechst der Konkurrenzdruck um Ressourcen nimmt zu, die tausend neuen modernen "Erfindungen" sei es von den zwanzig verschiedenen Joghurtsorten im Kuehlregal. bis ueber die dreissig verschiedenen Therapiemethoden oder die 200 neuen Automodelle - Diversitaet ist doch das Motto in der Politik! und offenbar fuer leichtglaubige Menschen die Hoffnung auf das schnelle Geld! Aber ohne Fundament keine Aussicht auf langen Bestand wuerde ich behaupten

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  2. Ich sehe hier keine Aufregung ausser deiner. Herr Munk statet hier sehr gelassen seine (sehr interessante) Meinung, ist mein Eindruck. Das er Janov gegenüber Wertschätzung äußert, ist doch ein feiner Zug und in der Wissenschaft doch grundlegend, dass die Urheber zitiert werden!!! Für mich stellt sich die Frage, warum du Janov's und ev. Munk's Leistung nicht anerkennen willst?! Was du danach schreibst, sagt wenig aus (Allgemeinplätze) und es ist unklar, was du damit meinst. Hoffe, du äußerst dich nochmal!

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